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Dicksein im Allgemeinen
Wie der Name schon sagt ... für alles, was nicht speziell in die anderen dicken Foren passt.

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Alt 02.06.2016, 09:30   #1
BlonderEngel
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Beiträge: 53
Standard Biographie vom Übergewicht

Gestern bin ich nach dem Baden aus der Wanne gestiegen und habe mich einfach so nur mal angeschaut. Ich habe versucht, ohne Wertung meinen Körper (1,73 Größe, 108 Kilo) zu betrachten, und mir ist aufgefallen, dass mein Übergewicht eine Biographie hat. Eine Biographie, die mit den stressigen Zeiten in meinem Leben korreliert.

Ich war als Kind kräftig, aber nicht dick, trotz sexuellem Missbrauch. Ich habe schon immer gerne gegessen, aber weil ich den ganzen Tag draußen beim Spielen und Toben war, hat es nicht angesetzt. Geändert hat sich das, als mit 10 mein Leben aus dem Ruder gelaufen ist. Wir sind umgezogen und ich bin in eine weiterführende Schule gekommen, die ich gehasst habe. Ich war todunglücklich, wurde gemobbt, und habe 20 Kilo zugenommen, innerhalb von 1,5 Jahren.

Dann musste ich mit 12 Jahren in ein ärztlich verordnetes "Bootcamp" für Dicke in einer Kinderkurklinik. Dort habe ich 12 Kilo verloren, aber fragt nicht, zu welchem (psychischen) Preis.

Dann war ich relativ normalgewichtig, bis ich zu Arbeiten begonnen habe. Firma Schlecker, 70 Stunden Woche, keine Pausen. Ich war damals 18, und auch innerhalb von 1,5 Jahren ging mein Gewicht um 20 Kilo hoch.

Dann bin ich nach München gezogen und habe den Job gewechselt und war glücklich. Ich habe, ganz ohne Diät, 15 Kilo verloren. Einzig und allein, weil ich mich wohlgefühlt habe.

Dann kam ich auf die Schnapsidee, im Fitness-Studio bei einem Ernährungskurs mitzumachen, bei der uns gesagt wurde, Fett wäre schlecht und Kohlenhydrate gut. Also Fett weg und massive Kohlehydrat-Räusche. Ich habe zwar 4 Kilo abgenommen, aber durch das ständige Kontrollieren des Essens und das süchtige Essen bin ich in einer argen Bulimie gelandet.

Nach einem Jahr Hölle bin ich in eine psychosomatische Fachklinik, eine 12-Schritte Klinik gegangen und war dort 16 Monate. Dort habe ich gelernt, beim Essen einen Rhythmus einzuhalten, den ich 8 Jahre (bis ich schwanger wurde) befolgt habe.

Es folgten etliche Jahre mit Normalgewicht (73 Kilo). Im Nachhinein, wenn ich Fotos anschaue, bin ich ganz erstaunt und angetan, wie schön ich war. Damals habe ich aber immer gedacht, ich müsste noch weniger wiegen, um in dieser Welt bestehen zu können.

Dann der nächste Einschnitt: ich bin mit meinem jetzigen Mann zusammen gezogen. Ich habe immer viel Sport getrieben, und plötzlich sind wir händchenhaltend auf dem Sofa gesessen. Auch schön, aber verheerend, weil ich gleichzeitig anders gegessen habe (also plötzlich Käse auf die Nudeln, Croissants zum Frühstück, all das was ihm halt geschmeckt hat).
Das waren die ersten 10 Kilo.

Dann die autoimmune Schilddrüsenunterfunktion. Nochmal 10 Kilo in kürzester Zeit.

Dann Kind 1. In der Schwangerschaft habe ich fast nicht zugenommen, aber danach. Sie war ein Schreikind und ich war ziemlich überfordert. Bei ihr sind mir "nur" 4 Kilo geblieben.

Und dann die Krönung: Kind 2. Auch hier habe ich in der Schwangerschaft nicht zugelegt, sogar abgenommen. Einmal hat mir sogar der Frauenarzt gesagt, ich müsse mehr essen ( so etwas hatte ich noch nie erlebt).

Aber danach kam die stressigste Zeit in meinem Leben. Ich war nach der Geburt schwer krank, hatte eine Firma mit einem 6-stelligen Jahresumsatz, ein Baby und ein Kleinkind, keine Hilfe durch meinen Mann. Ich will nicht jammern, aber Essen war das Einzige, was mich durch den Tag gebracht hat.
Außerdem bekam ich 2 verschiedene Medikamente gegen Epilepsie, die mich mächtig aufgebläht haben. Nicht zu vergessen, die Krankheit, die plötzlich auftauchte und mir ein großes Problem mit Histamin bescherte (Mastozytose). Histamin ist ein Botenstoff, der unter anderem den Schlafrhythmus und die Nahrungsaufnahme durcheinander bringt. Bilanz hier: 11 Kilo.

All das ist mir gestern durch den Kopf gegangen, als ich mich angeschaut habe. Und ich konnte mich gnädig anschauen, ohne das übliche Selbstabwerten. Oft hat mich das Essen vor dem Zusammenbruch bewahrt.

Das alles müsste man diesen Leuten, die einem Diäten oder irgendwelche Metabolic Programme verkaufen wollen, immer und immer wieder sagen. Die meisten Dicken, die ich kenne, essen nicht zuviel, weil sie nichts von gesunder Ernährung verstehen, sondern weil sie Stress-Esser sind, oder Hormonerkrankungen haben oder Medikamente nehmen müssen. Oder weil sie ihr Leben anders nicht auf die Reihe kriegen.

Ich habe mich in letzter Zeit sehr viel mit den verschiedenen Ursachen für Übergewicht auseinander gesetzt und bin der Meinung, dass JEDER, der sich anmaßt, in irgendeiner Form Übergewicht "therapieren" zu wollen, erst mal einen umfangreichen Kurs über Vorgänge im Körper, Neurotransmitter, Hormone, Infektionskrankheiten, Medikamente, Hirnforschung absolviert.

Habt Ihr auch Eckpunkte in Euren Leben, wo das Gewicht rauf oder runter ging?
Danke fürs Teilen.
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Alt 03.06.2016, 10:35   #2
Tania
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Mir fällt gerade der alte Spruch ein: Essen hält Leib und Seele zusammen.

Danke für deinen wunderbaren Bericht, @Blonder Engel. Ich bin auch ein Frustesser und kann mich in deiner Biographie teilweise wiederfinden.
__________________
Ich weiss, dass die Stimmen in meinem Kopf nicht real sind, aber sie haben so wahnsinnig geile Ideen.
Tania ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.06.2016, 11:04   #3
BlonderEngel
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Dein Spruch: "Ich weiß, dass die Stimmen in meinen Kopf nicht real sind, aber sie haben so wahnsinnig geile Ideen" gefällt mir super.

Am Wochenende habe ich auch einen klasse Spruch gehört:
"Wenn es um Schokolade geht, habe ich zwei Stimmen in meinem Kopf. Die eine sagt: Na komm, iss die leckere Schokolade.
Die andere meint: Na los doch, iss sie endlich!"
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Alt 03.06.2016, 12:47   #4
Ryiah
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Kann da schlecht mitreden irgendwie, ich war seit ich denken kann scho übergewichtig. Hatte aufgrund eines Magenbakteriums zwar ma ne phase wo ich ca. 30 kilo abgenommen habe, weil ich einfach nichts Essen konnte, aber da ebenso Frustesser ging das recht schnell wieder hoch...
zumal, wenn ich bock auf Gummibärchen habe dann hab ich Bock auf Gummibärchen, da bringt mir ne Möhre mit Quark auch nichts
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Alt 03.06.2016, 13:12   #5
BlonderEngel
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Zitat:
Zitat von Ryiah Beitrag anzeigen
Kann da schlecht mitreden irgendwie, ich war seit ich denken kann scho übergewichtig. Hatte aufgrund eines Magenbakteriums zwar ma ne phase wo ich ca. 30 kilo abgenommen habe, weil ich einfach nichts Essen konnte, aber da ebenso Frustesser ging das recht schnell wieder hoch...
zumal, wenn ich bock auf Gummibärchen habe dann hab ich Bock auf Gummibärchen, da bringt mir ne Möhre mit Quark auch nichts
Oder Sellerie mit Dip, wie es die Magazine immer empfehlen... Oder das berüchtigte entspannende Bad mit Kerzen und Ruhe, damit das Frustessen gar nicht erst aufkommt.
Ich bin mir sicher, dass die Leute, die das schreiben, keine Kinder haben. Wenn ich immer, wenn der Eßdruck kommt, ein entspannendes Bad mit Kerzen drumrum nehme, müsste ich für meine Kinder ein schalldichtes und gummigepolstertes Zimmer im Keller einrichten
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Alt 03.06.2016, 13:48   #6
Valentina
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Als ich mit meinem Freund zusammengekommen bin, haben wir unsere "ungesunden" Essverhalten zusammengelegt. Ich esse gern Nachtisch und er isst gern Chips. Ich habe fast nie Chips gegessen und bei ihm gabs nie Nachtisch. Dann haben wir damals auch vieeel Zeit kuschelnd und im Bett verbracht und sind manchmal nicht mal aus dem Haus gekommen. Allerdings immer nur so jedes zweite Wochenende, da Fernbeziehung. Ja, da ist viel raufgekommen.

Der Rest hat sich einfach eingeschlichen. Stetig und schwer aufzuhalten.

Heute haben wir eine keine-Chips-kein-Nachtisch-Abmachung und seit wir zusammen wohnen sind auch die Wochenenden aktiver.

Ich bin auch gespannt wie das mit Kindern sein wird. Ich hoffe, dass nicht noch mehr raufkommt. Aus dem einzigen Grund, dass mir jetzt schon die Gelenke weh tun.


Klar, ist der Körper eine Biographie. Allerdings glaube ich nicht, dass die meisten Stressesser sind. Ich denke da gibt es Stressesser, Genussesser, Langeweileesser, Belonungsesser, Menschen, die wenig essen, aber alles wird verwertet. Früher war ich ein typischer Langeweileesser. Jetzt ist mein Tag so strukturiert, dass ich dafür keine Zeit habe.

Ich finde es auch müßig diese Kategorien zu erstellen. Es ist vielleicht eine Mischung aus allem.
ABER: Was unterscheidet Dicke denn in diesem Sinn von Dünnen? Auch die sind Stress- und Frustesser. Das wird wohl nie jemand beantworten können.
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Alt 03.06.2016, 14:49   #7
BlonderEngel
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Zitat:
Zitat von Valentina Beitrag anzeigen
Ich finde es auch müßig diese Kategorien zu erstellen. Es ist vielleicht eine Mischung aus allem.
ABER: Was unterscheidet Dicke denn in diesem Sinn von Dünnen? Auch die sind Stress- und Frustesser. Das wird wohl nie jemand beantworten können.
Das Beste, was ich jemals genau dazu gelesen habe, ist das Buch "Mythos Übergewicht" vom Hirnforscher Achim Peters. Er erklärt, wie sich Menschen in ihrer Reaktion auf Stress unterscheiden und warum. Für mich war es sehr sehr interessant, weil ich mich 100% darin wiedergefunden habe.

Kinder haben ist das Allerschönste, was man machen kann, aber auch extrem anstrengend. Eine Schwangerschaft kann superschön sein, aber auch superanstrengend. Das ist bei jeder Frau anders. Ich kenne Frauen, die hatten gleich nach der Geburt ihr Ausgangsgewicht wieder oder sogar weniger, und andere sind förmlich explodiert. Meine Erfahrung damit ist, je mehr Hilfe und Zeit für Dich selbst Du bekommst, desto einfacher ist es mit dem Gewicht.
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Alt 03.06.2016, 18:11   #8
Agnetha
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Zitat:
Als ich mit meinem Freund zusammengekommen bin, haben wir unsere "ungesunden" Essverhalten zusammengelegt. Ich esse gern Nachtisch und er isst gern Chips. Ich habe fast nie Chips gegessen und bei ihm gabs nie Nachtisch. Dann haben wir damals auch vieeel Zeit kuschelnd und im Bett verbracht und sind manchmal nicht mal aus dem Haus gekommen. Allerdings immer nur so jedes zweite Wochenende, da Fernbeziehung. Ja, da ist viel raufgekommen.
Das kenne ich.

Ich habe auch eine Fernbeziehung und mit meiner Partnerin gemeinsam habe ich auch manchmal das Gefühl man bringt sich gegenseitig dazu mehr zu essen.
Wir essen und naschen beide sehr gerne.

Wobei es sich bei mir mit dem Naschen eher im Rahmen hält, mein Problem sind eher zu große Portionen beim Mittagessen oder Abendessen. Das Problem hat sie nicht so.
Es ging mir aber oft so... wenn ich sehe, dass sie nascht mag ich auch. Und wenn sie sieht, ich esse noch einen Teller mehr, will sie auch eher noch was.

Bzw. ginge es uns wohl beiden manchmal so, dass man den Eindruck bekommt es wäre ja "nicht schlimm" dies oder jenes auch noch zu essen, weil es die Freundin ja auch tut.

Einerseits fand ich es immer sehr schön eine Partnerin zu haben bei der es mir nicht peinlich sein muss zu naschen. Die mich nie fragen wird, ob ich nicht eigentlich schon genug hatte.
Andererseits habe ich dadurch am Anfang der Beziehung auch einiges zugenommen.
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Alt 03.06.2016, 19:44   #9
Knuddelmon
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Die Bücher von Achim Peters habe ich auch gelesen (sowohl "Mythos Übergewicht" als auch "Das egoistische Gehirn") und finde mich darin auch zu 100% wieder.

Ich bin seit ich denken kann dick, meine Eltern waren auch dick, meine Geschwister sind auch dick, nur mein Bruder hat es jetzt geschafft, mit einer dauerhaften Ernährungsumstellung und viel Bewegung abzunehmen.

Ansonsten war ich auch mein gesamtes Leben quasi dauerhaft massivem toxischen Stress ausgesetzt, sei es durch Mobbing oder ausweglose Armut (Langzeitarbeitslosigkeit mit quasi 0 Chance auf dem Arbeitsmarkt). Das ganze führte dann halt dazu, dass mein Gewicht immer weiter stieg. Versuche von außen (vor Allem durch pfuschende Jugendamtsmitarbeiter), mich zum Abnehmen zu zwingen brachten nur kurzzeitigen Gewichtsverlust, kurze Zeit später war das Gewicht immer doppelt wieder drauf und stieg weiter, diverse Traumata gabs noch obendrauf.
Also genau das, was mir eigentlich hätte helfen sollen, hat meine Probleme noch um einiges verschlimmert und neue Probleme dazu beschert.
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Wer Knuddel austeilt oder vermehrt, oder ausgeteilte oder vermehrte Knuddel in Verkehr bringt, wird mit Gegenknuddel nicht unter zwei Knuddeleinheiten belohnt ...

Ich bin nicht dick, ich bin flauschig!
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Alt 03.06.2016, 21:51   #10
BlonderEngel
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Oh, das kenne ich, dass einen irgendwelche Leute zum Abnehmen zwingen möchten. Das geht in der Regel schief und endet, wie Du schreibst, in noch mehr Traumatisierungen.
Mir hätte es viel mehr geholfen, wenn sie mich aus dieser Familie und der Missbrauchssituation rausgenommen hätten.

Ich musste mit 12 Jahren in eine "Kinderkurklinik" zum Radikalabnehmen. Was ich dort erlebt habe, spottet jeder Beschreibung.
"Die Würde des Menschen ist unantastbar". Das galt (gilt?) anscheinend nicht für dicke Kinder. Sogar heute, fast 30 Jahre später, kommt mir der Zorn, wenn ich dran denke.
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Alt 04.06.2016, 02:06   #11
Candyqueen
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Ohja, in so einer "Kinderkur" zum Abnehmen war ich auch, weil mich meine damaliger Hausarzt dazu verdonnert hat. Ich hätte mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, was da abging..

6 Wochen auf einer Station eingesperrt, die wir nur zum Sport verlassen durften und natürlich nur unter Aufsicht. Jeden Tag wurden wir stundenlang rumgescheucht, abends waren wir einfach nur noch fertig. Und man hat uns richtiggehend hungern lassen, die Portionen waren lächerlich. Zusätzlich war jeder dritte Tag Rohkosttag, da gabs nur rohes Gemüse, Magerquark und Knäckebrot.

Ohja, ich hab 12 Kilo abgenommen, aber die waren natürlich im Nullkommanix wieder drauf und brachten noch ein paar Freunde mit. Dafür hab ich mich 6 Wochen lang wirklich gequält und hatte Heimweh ohne Ende. Hatte ich sonst nie und ich bin regelmäßig mit Jugendgruppen in Urlaub gefahren.

Rückblickend finde ich am Schlimmsten, dass man uns dort einfach nur hat hungern lassen und uns nichts aber auch gar nichts erklärt hat, über vernünftige Ernährung und die Zusammenhänge im Körper. Es gab keine Gespräche über die Ursachen des Übergewichts oder andere Bewältigungsstrategien für Probleme - nichts. Nur Hunger und körperlichen Drill ohne Ende, wie in einem Bootcamp.

So richtig aufgeregt hab ich mich Jahre später, als ich in der alten Akte meines damaligen Hausarztes einen Bericht aus dieser Klinik fand, den dort ein Psychologe über mich verfasst hatte. Da standen Sachen drin, da hab ich nur noch mit den Ohren geschlackert. Ich hatte den Mann nie gesehen und kein Wort mit ihm geredet, wie also kam der dazu, sowas über mich zu schreiben?

Das Ganze war jedenfalls eins der traumatischsten Erlebnisse meiner Jugend und ich hab lange gebraucht, das zu verarbeiten.
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Alt 04.06.2016, 22:39   #12
Zora
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Oha, Kinder-Abnehmkur, hört mir bloß auf....

Ich wurde mit 5 dazu von unserem damaligen "Hausarzt" verdonnert. Dabei war ich, wenn man sich heute meine Kindebilder ansieht, höchstens etwas "kernig", aber nicht dick, nicht mal richtig moppelig.

6 Wochen, ganz allein. Ich wurde von meiner Mutter in den Zug gesetzt und fuhr unbegleitet.
Die furchtbarsten Wochen meines Lebens, da haben sich viele, schlimme Erlebnisse ins Hirn gebrannt.

Ich mag das im Einzelnen gar nicht erläutern. Aber in der Klinik wurden Kinder, die abnehmen sollten mit Kindern, die zunehmen sollten zusammen behandelt.
Ich saß also jeden Morgen vor meiner halben Grapefruit und meiner Scheibe Toast mit geschmolzener Harzer Rolle (Stinkekäse, bah) neben dem Mädchen, das immer 2 helle Brötchen mit Butter und Schokostreuseln bekam

Die Betreuerin war noch vom alten Schlag, da setzte es auch mal was, wenn etwas nicht so fluppte, wie sie wollte.

Ich habe nie verstanden, wieso meine Mutter mich in dem Alter so lange allein ließ. Scheinbar hatte sie auch ein schlechtes Gewissen, welches sie mit Verwöhnen wieder gut machte. Schwupps waren die hart abgehungerten 4 kg wieder drauf....plus einiger Kilos extra, wenn man ihren Erzählungen glauben darf. An die genauen Kilozahlen erinnere ich mich selbst nicht. Niemand hatte mir erklärt, warum ich da zur Kur war.
Für mich war es eine Strafe. Und ich denke, diese Strafe ist zum Teil mit verantwortlich für mein heutiges Verhältnis zum Esseen.
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Alt 04.06.2016, 23:12   #13
Knuddelmon
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Bei mir war es keine richtige Kurklinik, sondern eine Kinder- und Jugendpsychiatrie (war etwas verhaltensauffällig, da Mobbingopfer, meine Mutter war zu dem Zeitpunkt schwerstkrank und ist gestorben, zudem bin ich hochbegabt, was zu dem Zeitpunkt nicht richtig erkannt wurde).

Ich wurde da also bei der ersten Behandlung mal ebend auf 1000kcal runter gesetzt (was weniger als die Hälfte gewesen ist, was ich benötigt hätte, durch den Stress hätte ich eher einen noch höheren Bedarf gehabt), während die meisten anderen auf der Station normal essen durften was sie wollten.
Man setze also ein kleines 11jähriges Mädchen, dem es auf Grund der im Sterben liegenden Mutter und ständigem Mobbingg von außen, auf auf der Station dort, sowieso nicht gut geht, neben andere Kinder, die nach Lust und Laune Süßigkeiten essen dürfen, die dieses kleine Mädchen auch gerne essen würde, und es bekommt nur ein Stück Obst oder nen Joghurt. Dass es da zu bleibenden Schäden kommt ist doch vorprogrammiert.

Bei der zweiten Behandlung ein Jahr später, meine Mutter war inzwischen verstorben, in einer anderen Psychiatrie hatte ich mir übrigens am Anfang versprechen lassen (nach den traumatischen Erlebnissen der ersten Behandlung), dass ich NICHT auf Diät gesetzt werde. Leider wurde dieses Versprechen nicht eingehalten, was natürlich weitere Schäden auf der zarten Kinderseele hinterlassen hat.

Beide Behandlungen bestanden übrigens nur aus Essensreduktion, keinerlei Aufklärung über gesunde Ernährung oder Ähnliches. Also Hunger, Stress und noch mehr Stress, und DA soll man psychisch keine Schäden bekommen oder gar noch gesunden?????

Ich leide übrigens heute noch an den Nachwirkungen dieser Behandlungen und sie sind ein Grund dafür, dass ich mir jahrelang keine psychologische Hilfe mehr holen wollte, obwohl ich diese auf Grund meiner andauernen Depressionen und diverser anderer Probleme wohl dringend bräuchte. Mein Gewicht (aktuell übrigens knapp über 200kg bei 180cm) ist ansonsten mein geringstes Problem, allerdings das nach außen hin sichtbarste.

Nachdem, was in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit mir angestellt wurde, würde ich mich auch nie wieder auf einen stationären Aufenthalt in einer Klinik einlassen, zu groß ist die Sorge, dass mir irgendwelche "Behandlungen" gegen meinen Willen aufgezwungen werden, auch als Erwachsene.
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Alt 05.06.2016, 10:45   #14
Tania
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Zitat:
Zitat von Valentina Beitrag anzeigen
ABER: Was unterscheidet Dicke denn in diesem Sinn von Dünnen? Auch die sind Stress- und Frustesser. Das wird wohl nie jemand beantworten können.
Zu diesem Thema habe ich letzte Woche einen interessanten Vortrag bei youtube gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=iTqXYGIdKX4

Der ist zwar schon älter, aber ich habe viel für mich daraus mitnehmen können. Besonders über den (Un)Sinn von Diäten.
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Tania ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.06.2016, 18:37   #15
BlonderEngel
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Oh je, Ihr Lieben, das tut mir echt leid und weh, das zu hören.

Ich war damals 12 und 6 Wochen in einer Kinderkurklinik. Einige Kinder waren explizit zum Abnehmen da, andere eigentlich wegen was Anderem, aber der Chefarzt hat sie zu den Dicken gesteckt. Das hat so funktioniert: er ist von hinten an die Kinder getreten, hat ihren Bauch mit den Händen umfasst und "gefühlt", ob sie Übergewicht haben oder nicht.
Die Jüngste war 6, die Älteste 16. Wir waren von den Dünnen getrennt, und damit wir nicht unerlaubt Naschen, waren wir fast immer auf der Station eingesperrt.
Wir haben gehungert, und das Essen war grauenhaft. Ich habe 25 Jahre gebraucht, um zu entdecken, wie gut Brokoli schmecken kann. Vorher habe ich den immer verweigert, weil es den in der Klinik immer halb roh und hart und ohne Gewürze gab. Genau das gleiche mit Knäckebrot. Konnte ich viele Jahre nicht essen, weil es das in der Klinik zusammen mit irgendeiner Pampe gab.
Frühsport, Mittags schwimmen, dann 2 Stunden wandern, Standfahrrad fahren und am Abend Abendsport. Ich mache eigentlich sehr gerne Sport, aber wer kriegt so ein Programm Zuhause hin? Das kann doch nicht funktionieren.
Wir hatten einmal in der Woche "Ernährungsschule", wo es um Kalorienzählen ging. Psychologische Betreuung? Fehlanzeige.

Uns wurde gesagt, wir wären selbst schuld, hätten wir halt nicht so viel gegessen. Die Dünnen bekamen Süßigkeiten und musste sich am Nachmittag ausruhen, während "die Dicken durch die Pampa trampeln" (O-Ton Betreuerin).

Am Schlimmsten fand ich aber die Eingangsuntersuchung. Wir mussten uns alle bis auf die Unterhose ausziehen und in einem Zimmer warten, dann mussten wir in Dreiergruppen ins Arztzimmer. Der Arzt hat uns begutachtet und ins Diktiergerät gesprochen. Dann hat noch ungefragt und unangekündigt in die Unterhose geschaut, ob wir schon Schamhaare haben, und das dann auch diktiert.
Es waren da 14- bis 16 jährige Mädchen dabei, schon heftig.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits 10 Jahre sexuellen Missbrauch hinter mir, da fühlt man sich doch gleich wie Zuhause

Ich fühle mit Euch allen. Diese Abnehmklinik war ein schlimmes Trauma. Ich habe aber gehört, dass es heute besser sein soll und auch ein psychologisches Konzept mit einfließen soll.

Wegen meiner Eßstörung war ich in der Adula Klinik in Oberstdorf. Sehr zu empfehlen. Das war das genaue Gegenteil von der Kinderkurklinik.
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Alt 05.06.2016, 18:39   #16
BlonderEngel
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@ Knuddelmon: das tut mir wirklich sehr sehr leid.
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Alt 05.06.2016, 19:34   #17
zegge
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hallo,

ich weiß nicht, was ihr habt, kinderkuren sind doch wirklich der genial, bei mir haben sie (damals 1976, ich war knapp 12 jahre alt) sogar das wissen über die deutsche geschichte erweitert.

ich erfuhr bei der erstuntersuchung, dass es früher einen hitler gab, der menschen selektierte und zum teil das lebensrecht absprach. denn der aufnahmearzt meinte zu mir: so was wie dich, hätte es bei hitler nicht gegeben.

auch die untersuchung vorher durch den medizin. dienst der krankenkasse. so was von einfühlend. ich musste mich komplett nackt auf die liege legen, dann schaute er mir zwischen die beine, rief meinen vor dem untersuchungszimmer wartenden vater ins behandlungszimmer. er solle schauen, alles ganz normal.

war ne kurklinik für dick und dünn. die übergewichtigen mussten einmal pro tag das örtliche heilwasser trinken, die dünnen zwei mal.
samstag war reistag, da gab es morgens, mittags und abends ungesalzenen reis mit darin gekochtem obst.

einmal die woche ging es in die stadt, immer in dreiergruppen, ohne kontrolle. offiziell durften wir uns ein eis holen.

ich war froh als ich es hinter mir hatte.

mit 14 j war ich dann im krankenhaus null-diät und dann 600 kcal. mit kurzer unterbrechung waren es so 5 monate. für mich mit die schönste zeit in meinem leben. auf station waren auch babys und da ich kinderkrankenschwester werden wollte, durfte ich auch babys füttern, saß mit im schwesternzimmer. dort wurde ich zum ersten mal in meinem leben so geliebt wie ich war. ich war sogar mit ein paar schwestern in der zauberflöte und durfte deswegen bei einer übernachten.

leider hab ich wieder zugenommen, so dass ich nach meinem realschulsabschluss noch mal auf diese station bin. ich hab meinen 18. geburtstag mit nulldiät gefeiert. war dann auf der station dann schon eher ne schwesternschülerin.

na ja gehalten hab ich es nicht.

war dann immer mal wieder in psychosomatischen kliniken, ess-störung, depri und borderline.

2007 habe ich es zum ersten mal in meinem leben ambulant aus eigeninitiative mein gewicht zu reduzieren. dann kam eine schmerzerkrankung und meine psych. stabilität war dahin und das gewicht wieder drauf.
2010 leider das gleiche wieder.

wie es weitergeht, meine ernährungsthera ist da schon sehr zuversichtlich und hat da mehr hoffnung als ich. mache bei allerdings mehr therapie als ernährungsberatung. allerdings, wenn ich sie so erzählen höre, auch von ihrer arbeit mit kindern ……. weit weg, von dem horror, den ich als kind erlebt habe. für sie steht das kind mit seele im vordergrund und dann das gewicht.

liebe grüße
zegge
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Alt 05.06.2016, 20:35   #18
BlonderEngel
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Zitat:
Zitat von zegge Beitrag anzeigen
hallo,


na ja gehalten hab ich es nicht.


liebe grüße
zegge
Wie auch? Ich glaube, für die wenigsten Dicken ist es einfach nur ein Ernährungsproblem.
Auch Deine Geschichte tut mir unglaublich leid, so etwas dürfte unter "Menschen" eigentlich nicht passieren.
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Alt 06.06.2016, 06:21   #19
zegge
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hi,

was mir heute morgen noch eingefallen ist, sind die von den eltern aufgezwungenen diäten.

mit minikal, bionorm und dann dem verschreibungspflichtigen appetitzügler tenuate, den ich mit 11 jahren bekam.

im endeffekt kann ich froh sein, dass ich bei all dem keine organschäden bekommen habe.

na ja und was meine psyche betrifft, die hatten meine eltern schon vorher zerstörrt. sie waren beide sehr "liebevoll", meine mutter war dazu immer für ein "schlagkräftiges" argument zu haben und mein vater war meister in psychologischer kriegsführung. d.h. nicht nur durch die sex. übergriffe am kleinkindalter und schläge wurde ich kaputt gemacht, sondern beim vater hat mir noch die schuld für die erkrankungen und den tod meiner mutter so logisch erklärt, dass ich in mir immer noch - trotz vieler therapien - ein gefühl der schuld das ist.

aber so schlimm meine kindheit war, so gut wurde es später. ein arbeitgeber, der mir immer zur seite stand und steht, therapeuten, ärzte, die nicht in erster linie mein gewicht sehen. menschen, die mich mögen und ehrlich zu mir sind.

liebe grüße
zegge
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Alt 09.06.2016, 20:16   #20
BlonderEngel
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Ich finde es sehr schön, dass Du später in Deinem Leben doch noch positive Dinge erlebt hast.
Deine Kindheit hört sich an wie ein großer Albtraum.

Ich selbst habe meine Kindheit (bis ca. 10) als größtenteils schön empfunden (mit einigen Ausnahmen wie Missbrauch und cholerischen Vater), und aber die Zeit zwischen 10 und 16 als üble Hölle. Die meisten meiner Traumatisierungen habe ich aus dieser Zeit. Es ist faszinierend, wie schnell sich so ein Leben ändern kann.
BlonderEngel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.06.2016, 14:07   #21
Valentina
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Ich weiß nicht ob das hier noch gut reinpasst. Ich habe heute in meiner Therapiesitzung festgestellt, dass ich immer noch ziemliche Minderwertigkeitsgefühle habe. Ich dachte irgendwie ich hätte das überwunden. Ich habe alles was ich mir gewünscht habe und ich bin glücklich im Leben. Dennoch frage ich mich in gewissen Momenten ob ich mein Glück überhaupt verdiene und ob ich gut genug bin. (Allerdings denke ich, dass jeder Glück verdient ohne dafür etwas leisten zu müssen)

Als Kind und als Jugendliche habe ich ganz viele Komplexe gehabt. Ich war und bin immer noch schüchtern, aber ich finde ich bin stärker geworden und selbstbewusster in meinem Auftreten. Daher hat mich diese Erkentniss so umgehauen. In manchen Situationen, jedoch, zweifele ich ob ich gut genug bin und habe große Versagensängste. Jeder hat die natürlich, aber das führt bei mir manchmal zu regelrechten Angstphasen, wo mir alles Angst macht und es schwer im Alltag wird damit zu leben. Phasen, in denen ich befürchte alles falsch zu machen und nur Negatives sehe.

Ich kann es mir auch damit erklären, dass ich eben als Kind und Jugendliche schlimm gemobbt wurde. Meine Eltern haben mir nie vermittelt, ich könne etwas nicht. Ich weiß nicht, weshalb es so ist. Aber als dicker Mensch ist man für Andere das personifizierte Versagen. Vor allem, da Gesundheit und Körper ja irgendwie nicht einem selber gehören. Man muss sich ständig rechtfertigen weshalb man nicht "normal" ist. Warum man es nicht "endlich" schafft gesund zu sein.
Alle erheben Anspruch darauf das Übergewicht zu thematisieren und ihren Senf dazuzugeben: Ärzte, Familienmitglieder, Medien und am besten auch noch jeder x-beliebige auf der Straße. Da fühle ich mich wirklich manchmal wie ein Versager auf zwei Beinen.
Valentina ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 15.06.2016, 19:47   #22
BlonderEngel
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Oh ja, das kenne ich auch. Dieses Gefühl, man müsste sich schämen oder rechtfertigen, weil man dick ist. Kommst Du in der Therapie da weiter?
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Alt 16.06.2016, 09:10   #23
Valentina
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Zitat von BlonderEngel Beitrag anzeigen
Oh ja, das kenne ich auch. Dieses Gefühl, man müsste sich schämen oder rechtfertigen, weil man dick ist. Kommst Du in der Therapie da weiter?
Ich bin da wegen anderer Dinge, aber es fügt sich alles zusammen. Die scheinbare Unfähigkeit und die Angst, dass alles schlimmer wird.
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Alt 16.06.2016, 19:21   #24
Candyqueen
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Zitat:
Zitat von Valentina Beitrag anzeigen
Aber als dicker Mensch ist man für Andere das personifizierte Versagen. Vor allem, da Gesundheit und Körper ja irgendwie nicht einem selber gehören. Man muss sich ständig rechtfertigen weshalb man nicht "normal" ist. Warum man es nicht "endlich" schafft gesund zu sein.
Alle erheben Anspruch darauf das Übergewicht zu thematisieren und ihren Senf dazuzugeben: Ärzte, Familienmitglieder, Medien und am besten auch noch jeder x-beliebige auf der Straße.
Du sagst es! Und das ist für mich auch mit das Schlimmste am Dicksein, das jeder meint, er dürfte das kommentieren und dicke Menschen deswegen be- oder verurteilen. Was gibt den Leuten eigentlich das Recht dazu? Das macht mich manchmal so wütend!
__________________
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Alt 25.06.2016, 00:10   #25
Jenny87
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Minderwertigkeitskomplexe sind ja auch kein Wunder,wenn man ständig zu hören bekommt, dass man so wie man ist, nicht richtig ist.
Meine Mutter hat immer gerne den Satz " Schau Dich mal im Spiegel an, wie Du aussiehst " gesagt. Der geht mir heute immer noch oft durch den Kopf, wenn ich vorm Spiegel stehe.
Sie hat auch gerne gesagt " Schau Dir deine Freundinnen an wie schlank die sind, schau Dir Deine Schwester an, wie schlank die ist und wie hübsch. Alle schlank und hübsch, nur ich halt nicht.Wollte ich auch sein, ich war ein typisches Mädchen, habe mich fürs Schminken und für meine Haare und für Klamotten interessiert.

Nicht, dass ich jemals von jemandem Komplimente bekommen hätte ,allenfalls ein " Du könntest hübsch sein, wenn Du nicht so dick wärst." Da kann man machen,was man will, man ist halt vor allem dick und wer dick ist, ist so wie man nicht sein soll.

Das ist heute immer noch so, nur, dass ich mir halt keine Illusionen mehr mache. Dadurch sind die Komplexe ein wenig der Gleichgültigkeit gewichen. Ich bin so wie ich bin und ich darf auch so sein und andere geht das nichts an. Mein Gewicht ist eben MEIN Gewicht, ich trage es mit mir herum und ich mache das nicht weil es nur in Größe 56 schicke Kleidung gibt, sondern weil ich eben so bin. Ich habe mir das nicht ausgesucht, es ist halt einfach so.
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Alt 25.06.2016, 21:25   #26
Susi22
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Daumen hoch Meine Biographie

Ich war bis zu meiner Schwangerschaft sportlich
(reiten, rudern, schwimmen). Dann kam das Kind und alles änderte sich.
Während der Schwangerschaft nahm ich in den ersten 7 Monaten 7kg zu
und in den letzten 3 Monaten 30kg. Ich konnte mich kaum noch bewegen, es war sehr warm (Sommer) und ich bekam echte Probleme.

Dieses Gewicht bin ich nie wieder losgeworden. Heute bin ich 54, meine Tochter hat morgen Geburtstag. Immer wieder denke ich dran wie das damals war. Ich habe es angenomnen dick zu sein, möchte auch nicht auf alles verzichten und werde wohl nie wieder unter 100 kg wiegen. Zur Zeit sind es 103 bei 1,68m Grösse. Was solls, das Leben ist zu kurz um nur zu hadern
Susi22 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.07.2016, 07:49   #27
Marie-Luise
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@Jenny 87: Du sagst es. Als ich deinen Beitrag las, fielen mir sofort sehr viele Situationen ein, in denen ich mich soooo schlecht fühlte.

"Das würde dir mit ein paar Pfund weniger viel besser stehen."
"Ja, der Pulli ist nett, der sah an ... natürlich anders aus, SIE ist ja auch schmaler."

Solche Beispiele könnten Seiten füllen. Und weil der Mensch ein kompensatorisches Wesen ist, kam, was kommen musste. Ein Pfund nach dem anderen mehr. Hätte ich den Frust mal mit Sport statt Schokolade kompensieren können.

Ein Teil meiner Dicken-Biographie ist, dass meine Eltern ausschließlich verabeitet haben, was im eigenen Garten war. Das hört sich nach Idealfall an, ist es aber nicht, wenn man monatelang nur Kohl und Kartoffeln auf dem Teller hat und es nicht mag oder Beeren und Äpfel. Frisch in den Sommermonaten, in den anderen Monaten eingekocht, eingefroren, als Fruchtpü oder Sirup. Es gab zwar auch Tomaten und Rettich, aber beides mochte ich nicht besonders, vermutlich auch wegen des Überangebots.

Ich habe erst als Erwachsene das erste Mal in eine Paprika gebissen. NIE werde ich vergessen, wie paradiesisch ich das empfand. Dieser frische, leicht süßliche Geschmack einer Paprika. Oder Reis, oder Nudeln, oder Pizza. Diese Sachen gab es bei uns vielleicht alle 6 Wochen mal. Mit der ersten eigenen Wohnung habe ich das alles gefressen. Essen kann man das leider nicht mehr nennen. Zusammen mit dem Nikotinentzug hat mir das, wenn ich nachdenke, um die 30 kg mehr gebracht.

Gruß,

Marie-Luise
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