@ Aufklärer: Ich kenne Typen wie dich, zumindest im Internet. Du bist auf Diskussionen aus, versucht aber andere mit deiner höchst subjektiven Meinung zu überzeugen. Das Problem, dass ich mit deinen bisherigen Postings (auch in anderen Threads) habe, ist dass du unterstellt, dass Menschen, die möglicherweise diskriminieren unglaublich böse und wahre Teufel sind.
Die Welt ist eben nicht schwarz und weiß und funktioniert nicht so. Diskriminierung ist nicht gleich Diskriminierung. Menschen sind ein Produkt ihrer Sozialisation und die Mechanismen, die hier wirken sind sehr komplex. In Wirklichkeit lassen sich Nachteile aufgrund von vermeintlicher Diskriminierung häufig auf ganz andere Sachen zurückführen. Dazu kann ich dir auch noch eine ganze Reihe von Untersuchungen vorlegen.
Ich studiere seit 8 Semestern Soziologie an der Uni Bamberg. Das schreibe ich nicht um anzugeben, sondern damit du weißt, dass ich weiß wovon ich rede. Wenn jemand einen soziologischen Artikel liest, heißt es noch lange nicht ,dass er ein Experte ist. Zugegeben, Soziologie ist nicht so komplex wie Physik. Aber nur weil du eine paar Begriffsdefinitionen aus Wikipedia kennst, kannst du dir nicht das Studium sparen. Ich koche gerne, denkst du ich kann einfach so in einer Großküche arbeiten?
>>Ich finde es immer amüsant, das das Wissen von dafür speziell ausgebildeten beruflich orientierten Fachleuten gepachtet sein muss>>
Nein, muss es nicht. Tatsache: ist es aber meistens!
Ach ja, und inwieweit sich jemand von Lästereien oder Beleidigungen angegriffen fühlt, hat wohl was mit der inneren Stärke der Person zu tun. Aber da ich nicht Psychologie studiere, ist meine Meinung dazu laienhaft
Ich zumindest lasse mich von sowas nicht mitnehmen,
Für alle, die es interessiert eine echte wissenschaftliche Stellungnahme zum Thema Diskriminierung zu lesen: Den folgenden Text habe ich in einer Hausarbeit geschrieben. Ich erhebe nicht den Anspruch auf Fehlerfreiheit! Bitte nicht vergessen, es wird eine Theorie vorgestellt. Das bedeutet nicht, dass es die unerschütterliche Wahrheit ist.
2. Social Cognition Theory
2.1. Eigengruppenfavorisierung
Der Mechanismus der Eigengruppenfavorisierung basiert auf der Theorie der sozialen Identität. Zur Verarbeitung von Eindrücken in der unübersichtlichen sozialen Welt greift der Mensch auf die Kategorisierung dieser zurück. Gesammelte Erfahrungen werden genutzt um zukünftige Situationen einzuschätzen. Dies passiert unbewusst und nicht-intentional. Die Wahrnehmung ist dadurch verzerrt. So unterscheiden die Individuen die Zugehörigkeit zur eigenen und zur fremden Gruppe. Die Theorie der sozialen Identität besagt, dass die Eigengruppe stets bevorzugt wird. Tajfel und Turner geben drei Erklärungsansätze . Erstens, „Menschen streben nach einem positiven Selbstkonzept“ . Dieses leiten sie zum größten Teil aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ab. Sie definieren sich als Mitglieder einer Gruppe und bewerten daran die eigne Identität. Zweitens, die Bewertung der eigenen Gruppe erfolgt im Vergleich zu anderen Gruppen. Je positiver das Ansehen der Eigengruppe, um so positiver erscheint die eigene soziale Identität. Schließlich, sind die Mitglieder einer Gruppe gewillt eine „positive Distinktheit“ zu anderen Gruppen herzustellen, indem sie diese im sozialen Wettbewerb übertreffen oder durch Segregation vermeiden. Ebenfalls werden den Mitgliedern der Fremdgruppe unweigerlich negative Eigenschaften zugeschrieben, wohingegen positive Charakteristika den Mitgliedern der Eigengruppe zugeschrieben werden . Somit haben Mitglieder einer Gruppe mehr Vertrauen untereinander und mehr Kontakt. Dementsprechend werden Mitglieder anderer Gruppen gemieden und als weniger vertrauenswürdig betrachtet.
Im Bereich der Diskriminierung hat die Eigengruppenbevorzugung die Einschränkung von Chancen und Möglichkeiten der Fremdgruppe zur Folge , z. B. aufzufinden in Bereichen wie Kultur, indem die ethnische Identität unterdrückt wird. In der Politik, bei abstinenter politischer Partizipation. Im Bereich der Wirtschaft und Arbeit, bei Ausschluss vom Arbeitsmarkt und bei Vermeidung von Gruppenendogamie, also der Partnerschaften von Eigen- und Fremdgruppenmitgliedern . Die Trennung in Eigen- und Fremdgruppe führt auch dazu, dass die fremde Gruppe homogener wahrgenommen wird und Unterschiede zwischen den Gruppen besonders stark betont werden . Diese Kategorisierungen können unterschwellig Entscheidungen von Individuen beeinflussen.
Die Eigengruppenbevorzugung kann laut der System-Rechtfertigungstheorie dazu dienen, Hierarchien und Statuspositionen in der Gesellschaft zu festigen und zu legitimieren. So favorisieren Individuen die eigene Gruppe um ihren Status zu wahren, auch wenn sie sich weniger über die Gruppe identifizieren oder ein positives Selbstkonzept daraus schöpfen . Dies gilt insbesondere für Mitglieder einer dominanten oder führenden Gruppe. Mitglieder von untergeordneten oder benachteiligten Gruppen unterliegen dagegen häufig der impliziten Fremdgruppenbevorzugung. Entgegen der Annahme, dass Mitglieder einer Gruppe stets die eigene Gruppe bevorzugen, besagt das Konzept der impliziten Fremdgruppenfavorisierung, dass Mitglieder einer benachteiligten Gruppe aufgrund ihrer sozialen Position die fremde, übergeordnete Gruppe bevorzugen. Die Stärkung der Selbstvertrauens und der Identität bezieht das Individuum jedoch aus der Eigengruppe. Es entsteht eine gegensätzliche Sogwirkung. Laut der Theorie der sozialen Identität definieren sich Individuen über ihre eigene Gruppe. Die System-Rechtfertigungstheorie jedoch gibt an Individuen tendieren dazu die Mainstream- Kultur höher zu bewerten .
2.2. Stereotypisierung
Die Stereotypisierung ist der zweite Kernmechanismus der Social Cognition Theory und bedingt ebenfalls eine verzerrte Wahrnehmung von Individuen. Dabei verwenden Individuen aufgrund von Informationsmängeln bestimmte Schemata um Menschen zu kategorisieren. Diese leiten sich aus verallgemeinerten Informationen ab, die die Person über Individuen der gleichen Gruppe gesammelt hat. Folglich werden bestimmte Charakteristika oder bestimmtes Wissen über eine Gruppe auf das stereotypisierte Individuum projiziert. Unbewusst wirken sich diese voreingestellten Erwartungen auf das Handeln der Individuen aus. Die Zuschreibung von verschiedenen Eigenschaften führt dazu, dass verschiedene Menschen unter Umständen ungleich behandelt werden.
In Bezug auf die Eigengruppenfavorisierung werden Fremdgruppenmitglieder häufig mit negativen Stereotypen ausgestattet. Skrobanek führt an, dass Stereotypisierung mindestens zwei Funktionen erfüllt: Die individuelle und soziale Funktion. Er zitiert Hogg & Abrahms und ihre verschiedenen analytische Ebenen dieser Funktionen. Die individuelle Funktion lässt sich aufteilen in die kognitive Funktion, die dafür sorgt, dass Individuen die komplexe und differenzierte soziale Realität erfassen können. Die Wertfunktion dagegen sagt aus, dass Stereotype eine positive personale und soziale Identität schaffen. Das heißt, sie prägen die Identität und führen ähnlich der Eigengruppenfavorisierung ein positives Selbstkonzept aus. Die soziale Funktion von Stereotypisierung unterteilen die Autoren in soziale Kausalität, soziale Rechtsfertigung und soziale Differenzierung. Durch soziale Kausalität stellen Stereotype vereinfachte Erklärungen für differenzierte soziale Prozesse und Ereignisse dar. Individuen erfassen, interpretieren und ordnen eine soziale Situation leichter mit Stereotypen. Zweitens, stellen Stereotype eine Rechtfertigung von Ungleichbehandlung von verschiedenen Gruppen dar und legitimieren sie. Drittens, betonen Stereotypisierungen die Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppe und heben die Homogenität der eigenen Gruppe hervor .
Reskin stellt zweit Arten von Stereotypen vor: Die deskriptive und die präskriptive Stereotypisierung . Die deskriptiven Stereotype basieren auf Erfahrungen mit Fremdgruppenmitgliedern und charakterisieren Individuen aufgrund diesen gemachten Erfahrungen. Die Stereotypisierung beeinflusst unsere Wahrnehmung und die Interpretation des Verhaltens anderer . Die präskriptiven Stereotype, dagegen, sind Erwartungen darüber wie Fremdgruppenmitglieder sein sollten. Diese gründen auf Erfahrungen, die Individuen mit anderen Mitgliedern gemacht haben. Das Verhalten von Anderen wird an einem gesetzten Standart gemessen. Reskin zitiert, dass Menschen eher unter Zeitdruck stereotypisieren als ohne.
Es lässt sich zusammenfassen, dass Kategorisierung ein Mittel von Individuen ist, sich in der komplexen sozialen Welt zu orientieren. Dabei greifen sie auf Stereotype zurück um unbekannte Informationen schneller zu verarbeiten. Positive Stereotype werden eher der eigenen Gruppe zugeschrieben und negative Stereotype werden mit Mitgliedern der Fremdgruppe assoziiert. Bedenklich werden diese Mechanismen sobald Menschen ungleich behandelt werden oder ihre Chancen eingeschränkt oder unangemessen gefördert werden. Beeinflussen Kategorisierungen die Handlung oder Handlungsalternativen von Individuen, so kann man von Diskriminierung sprechen.
Literatur :
Reskin, B. F. ; The Proximate Causes of Employment Discrimination ; Contemporary Sociology 29 ; 2000 ; S. 319 - 329
Skrobanek, J.; Regionale Identifikation, negative Stereotypisierung und Eigengruppenbevorzugung; VS Verlag für Sozialwissenschaften; 2004
Hogg, M.A.; Abrahms, D.; Social Identification. Routledge & Kegan Paul; London, New York, 1988
Becker, G. S.; The Economics of Discrimination; Chicaco University Press, 1971
Brown, R. ; Prejudice: It’s Social Psychology ; Oxford Blackwell; 1995; S. 162 – 205
Dasgupta, N; Implicit Ingroup Favoritism, Outgroup Favoritism and their Behavorial Manifestations; Social Justice Research 44; 2004; S. 143 - 169