Unsere Gesellschaft

  • Manchmal frage ich mich, in was für einer Gesellschaft wir überhaupt leben. Ist das denn normal, wenn man auf offener Strasse angemacht wird? wenn man sich schämen muss weil man ist was man ist? Sind es nicht auch teilweise die Mitmenschen, die uns uns unsicher fühlen lassen?

    Ich kann euch da was berichten!

    Als ich noch 100 Kilo gewogen habe, musste ich mir so einiges anhören. Von Kleinkindern wurde ich als Elefant beschimpft, die Männer achteten mich mit keinem Blick, und wenn, dann mit einem Blick, der angeekelt ausgesehen hat. Man wird unsicher. Man hat keine Lust raus zu gehen. Man hat sich nicht getraut, aus seiner Haut zu kommen, nicht getraut, zu sagen was man gedacht hat. Man hat sich nicht getraut sich neue Klammotten zu kaufen, es war mir peinlich meine Konfektionsgröße zu sagen, es war mir so einiges unangenehm. Dann immer die verkäuferinnen an den Kassen, in größe 36, mit schicken klammotten und total gestylt, während du dir das Zelt kaufst.

    Heute sind die Leute deutlich freundlicher, reden anders mit mir, schauen mich anders an. Und ich denke mir manchmal, dass sie alle nicht ganz dicht sind. Die gleichen Menschen, die mich damals nicht mit dem Arsch angesehen haben, kommen auf dich zu. Aber nicht mit mir! Sie haben keine Ahnung was sie mir mal angetan haben, all der Scham, das schüchterne, das unsichere. Das vergesse ich nicht.

    Und ich möchte den Männern nicht die Schuld für alles geben, aber etwas ist dran an folgendem Satz:

    Wie wäre die Welt ohne Männer?
    Sie wäre voll mit dicken, glücklichen Frauen.


    Wie seht Ihr denn das alles? Habt Ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Wenn ja, wie reagiert Ihr?

  • ..wobei 100 Kilo ja für viele hier (mich eingeschlossen) ein Wunschgewicht wäre und ich kauf mir sehr gern Klamotten! :D
    Aber ich weiß was Du meinst... Früher hat mich das auch sehr gestört, dass ich diese Größe überhaupt habe, aber zu Zeiten von "Sobinich", USA Shops im Netz und teilweise schönes C&A Zeug ist es für mich die hauptsache, dass sie für mich überhaupt was schönes haben.

  • Hi Lulu!

    Die Welt, die Gesellschaft ist genauso wie sie ist. Nicht die Gesellschaft ist dafür verantwortlich das du so negativ bist, sondern einzig und allein deine Einstellung die Gesellschaft müsse eine ganz andere sein als diese ist. Bitte seh das nicht als Kritik, lieber vielmehr als Denkanstoß: ändere bitte deine Einstellungen oder du wirst dein Leben lang unglücklich sein.

    Was die 'angeekelten' Blicke angeht, kann man in Blicke sehr viel rein Interpretieren. Mir wird oft auch im nachhinein gesagt, das ich sie vorher arrogant und herablassend angeschaut hätte, was ich aus meiner Sicht definitiv nicht habe:).

    Natürlich will ich nicht behaupten das attraktive Menschen(attraktiv im allgemeinen) ein besseres Echo von der Gesellschaft bekommen. Daniel Craig kommt bei der Frauenwelt bestimmt besser an als euer guter alter Pratox:D Aber warum sollte ich deswegen unglücklich sein? Natürlich gibt es einen ein kurzeitiges schönes Gefühl wenn man vom anderen Geschlecht angelächelt/angeflirtet wird, aber das entscheidet doch nicht wie stark mein Selbstbewusstsein/Zufriedenheit im Alltag ist.

    Im Grunde hat man wie bei allem im Leben EINE Wahl:
    Mach ich mich unglücklich darüber das ich nicht perfekt bin oder akzeptiere ich meine unvollkommenheit und werde glücklich was immer mir das Leben bringt?

    LG Pratox

    "D' you breath the name of your saviour in your hour of need,
    n' taste the blame if the flavor should remind you of greed,
    of implication, insinuation and ill will, till' you cannot lie still..."
    - Poets of the Fall - Carnival of Rust

  • Zitat von lulu21

    Manchmal frage ich mich, in was für einer Gesellschaft wir überhaupt leben. Ist das denn normal, wenn man auf offener Strasse angemacht wird?

    Ich glaube nicht, dass es *die* Gesellschaft überhaupt gibt. Zum Beispiel, weil ich in meinem Lebensumfeld solche Erfahrungen nicht mache. Mein Lebensumfeld ist jetzt natürlich ein sehr spezielles: ländliche Region, hauptsächlich andere Mütter, mit denen man sich auseinandersetzt. Es gibt andere, weniger behagliche Lebensumfelder, das weiß auch ich. Aber ich glaube, man macht einen Fehler, den eigenen, begrenzten Lebensausschnitt mit "der Gesellschaft" gleichzusetzen.

    Zitat

    wenn man sich schämen muss weil man ist was man ist?

    Ich glaube nichzt, dass man das *muss*. Möglicherweise wird einem suggeriert, dass man sich schämen sollte - von den Herbalife-Mitarbeitern und sonstwelchen Leuten, die ein Interesse haben, dass Menschen sich unzulänglich fühlen. Aber müssen muss man nicht. Man kann sich dem widersetzen.

    Zitat

    Wie wäre die Welt ohne Männer?
    Sie wäre voll mit dicken, glücklichen Frauen.

    Was hindert Dich, eine dicke glückliche Frau zu sein?

  • Zitat von lulu21

    Heute sind die Leute deutlich freundlicher, reden anders mit mir, schauen mich anders an. Und ich denke mir manchmal, dass sie alle nicht ganz dicht sind. Die gleichen Menschen, die mich damals nicht mit dem Arsch angesehen haben, kommen auf dich zu. Aber nicht mit mir! Sie haben keine Ahnung was sie mir mal angetan haben, all der Scham, das schüchterne, das unsichere. Das vergesse ich nicht.

    Es gibt mehrere Erklärungen dafür, dass Menschen heute mehr auf dich zugehen, auch diejenigen, die dich früher gemieden haben:

    • Du bist offener geworden und interpretierst das Verhalten der anderen nicht mehr als feindselig. Damit wirkst du attraktiver und sympathischer.
    • Anderen ging/geht es tatsächlich nur um Äußerlichkeiten. Das sind dann die Menschen, mit denen du dich nicht anzufreunden brauchst. Eine wichtige Erfahrung, die andere Menschen erst machen, wenn sie Probleme bekommen und auf solche "Freunde" angewiesen sind.
    Zitat von lulu21

    Und ich möchte den Männern nicht die Schuld für alles geben, aber etwas ist dran an folgendem Satz:

    Wie wäre die Welt ohne Männer?
    Sie wäre voll mit dicken, glücklichen Frauen.

    Dick vielleicht, aber wegen der Stresshormone. So glücklich stelle ich mir das als heterosexuelle Frau nämlich nicht vor... ;) Übrigens habe ich gelegentlich den Eindruck, dass Frauen sich schön machen (und auch abnehmen wollen), um andere Frauen zu beeindrucken oder einzuschüchtern - um also die Konkurrenz in Schach zu halten. Männer bemerken derlei Bemühungen mitunter gar nicht.

  • Liebe Lulu21

    früher sind mir die Menschen auch oft abweisend und unfreundlich vorgekommen, ich dachte keiner mag mich weil ich über 100 Kilo wiege, niemand will etwas mit mir zu tun haben und Männer interessieren sich sowieso nicht für mich und ich werde als alte Jungfer sterben.

    Heute gehts mir viel besser, ich gehe offen auf die Menschen zu, habe einen lieben Mann gefunden, Freundinnen und auch die Verkäuferinnen im Modegeschäft sind immer freundlich und zuvorkommend. Woran es liegt? - ich wiege immer noch über 100 kg, aber ich habe gelernt selbstbewußt zu sein, mich nicht unter Wert zu verkaufen und mich nicht dauernd für mein Gewicht zu entschuldigen. Vor allem gehe ich offen auf Menschen zu, es ist mir egal was sie denken, ich denke mir schließlich auch meinen Teil.

    Solange du dich nicht selbst respektierst und liebst, kannst du auch nicht erwarten, daß andere es tun. Das Gewicht spielt dabei keine Rolle. Und mit genug Selbstbewußtsein machen einem auch die ein oder anderen dummen Sprüche nichts mehr aus, ehrlich geagt ich höre sie schon meist gar nicht mehr und wenn doch ignoriere ich sie. Denn wer mich verletzen darf entscheide ich ganz alleine. :cool:

    Liebe Grüße Mendi

    "Wer eine schöne Stunde verschenkt, weil er an Ärger von gestern denkt oder an Sorgen von morgen, der tut mir leid. Mein Name ist Hase, ich weiß Bescheid." (Bugs Bunny)

  • Das sehe ich nicht so, diese Phrasen" Iss nicht so viel, immer wenn ich Dich sehe isst du, musst Du schon wieder essen, guck mal die Dicke haut sich doch tatsächlich ne' Bockwurst rein........usw. usw.
    Ich bin der Meinung, das keiner wirklich keiner das Recht hat sowas zu sagen, meist ist es nur gedankenlos nachgeplappert.Wenn ich dann was erwiedert habe, heisst es Mensch das war doch nicht so gemeint, hab Dich nicht so, Duuuu bist aber empfindlich.
    Ich sage doch auch nicht, Du bist aber ne' hässliche Eule usw..
    Mag sein, das sich das verbittert anhört, aber ich bin ein Lebensfroher Mensch, der eine glückliche Ehe führt und die meisten seiner Freunde schon über 25 Jahre hat. Familie bzw. Mutter ist ein Reizthema, kann nicht verwinden eine übergewichtige Tochter zu haben, die sich obendrein noch nicht mal belehren lässt spontan mal 50 kg abzuwerfen, passt doch dann besser zu Ihrer Gr.36.
    Ich stimme LULU voll und ganz zu.
    LG Willa

  • Zitat von Mendi

    Liebe Lulu21
    Solange du dich nicht selbst respektierst und liebst, kannst du auch nicht erwarten, daß andere es tun. Das Gewicht spielt dabei keine Rolle. Und mit genug Selbstbewußtsein machen einem auch die ein oder anderen dummen Sprüche nichts mehr aus, ehrlich geagt ich höre sie schon meist gar nicht mehr und wenn doch ignoriere ich sie. Denn wer mich verletzen darf entscheide ich ganz alleine. :cool:


    Hallo Mendi,
    ich bin nicht deiner Meinung, dass man nur Respekt von anderen erwarten kann, wenn man sich selbst liebt und respektiert.
    Grundsätzlich sollte jedem Respekt entgegengebracht werden.
    Ich bewundere, wie Du auf Sprüche etc. reagierst. Leider lasse ich mich noch immer dadurch verletzten, obwohl ich in den letzten Jahren an meinem Selbstbewußtein gearbeitet habe und noch arbeite.
    Es gab mal eine Zeit, in der ich mit gesenktem Haupt durch die Gegend gestolpert bin. Das passiert mir nicht mehr. Du hast Recht damit, dass man offen auf die Menschen zugehen soll. In vielen Situationen hat sich das als sehr hilfreich erwiesen.
    LG
    Julie

  • Moin Zusammen,

    ich möcht jetzt auch mal meine Meinung dazugeben.

    1. Es gibt ein direktes Umfeld und es gibt auch diese Gruppe die sich "Gesellschaft" nennt. Die Gesellschaft ist das was die größte Masse der Bevölkerung darstellt. Sie setzt sich aus ganz vielen kleineren Gruppe und einer eher "schweigenden Mehrheit" zusammen.
    Zumindest ist dies in Deutschland so, aber wir gehen ja offensichtlich hier von der Gesellschaft in Deutschland aus, oder?
    Durch diese "schweigende Mehrheit" fallen einem natürlich nur die kleineren Grüppchen auf die eben "nicht schweigen".

    2. Es sind nicht nur "Herbalifevertreter" die "dicken Menschen" das Leben schwer machen (wollen), "dicke" sind hier zu der einzigen Gruppe geworden die "gesamt Gesellschaftlich gesehen" Diskreminiert werden dürfen, über sie darf "gelästert & gelacht" werden ohne das es wie bei anderen "Gruppen" zu Gegenrede kommt. Natürlich gibt es Umfelder (persönlichere Gruppen) die das nicht tun wollen, aber für die "Masse" ist das so rübergebracht worden. Was daraus beruht das ein einziges Vorurteil seit Jahren immer wieder von Medien und Politik als "richtig" propagiert wird:
    Wer dick ist, ist selbst Schuld daran

    3. Es gibt verschiedene Möglichkeiten damit um zu gehen:
    Man sucht sich eine kleinere Gruppe (persönliches Umfeld) das diese Haltung ablehnt.
    Man geht offensiver damit um und lässt sowas nicht mehr an sich ran.
    Man lebt damit ohne wirklich damit umgehen zu können und leidet schweigend.

    Grundsätzlich denke ich das "JEDER MENSCH" respektiert und respektvoll behandelt werden sollte - egal ob er Selbstbewußt ist, oder nicht. Wer es nicht ist, hat sicherlich seine Gründe dafür.
    Wer schon als Kind zum Opfer gemacht wurde muss ja nicht für den Rest seines Lebens in dieser Rolle verharren müssen, nur weil ihm die Chance fehlte selbstwertgefühl und selbstbewußtsein auf zu bauen - Oder?

    Davon ab, ich habe selbst den Weg zum selbstaufbau meines Selbstbewußtseins gewählt - aber ich denke nicht das es richtig ist DAS zu fordern.

    Liebe Grüße,
    Cailly

    *Verletzungen der Seele heilen nur langsam und nicht von allein*

  • Ich fang dann mal von hinten an...

    Zitat von Cailly

    Davon ab, ich habe selbst den Weg zum selbstaufbau meines Selbstbewußtseins gewählt - aber ich denke nicht das es richtig ist DAS zu fordern.

    Also, *fordern*, herrisch und mitleidslos, tut ja erst mal niemand. Ich denke aber, dass der selbstbewusste Weg derjenige ist, auf dem man am gesündesten durchs Leben kommt. Deswegen vielleicht nicht "fordern", aber: Wege aufzeigen, helfen, unterstützen... Ich bilde mir ein, genau zu diesem Zweck gibt es ja auch dieses Forum.

    Zitat

    Grundsätzlich denke ich das "JEDER MENSCH" respektiert und respektvoll behandelt werden sollte - egal ob er Selbstbewußt ist, oder nicht.

    Ich glaube nicht, dass irgendwer hier sich dafür eingesetzt hat, die Selbstbewussten mit Respekt zu behandeln und auf den Nichtselbstbewussten getrost herumzutrampeln. Das glaubst Du doch selbst nicht wirklich, Cailly, oder?

    Zitat

    1. Es gibt ein direktes Umfeld und es gibt auch diese Gruppe die sich "Gesellschaft" nennt. Die Gesellschaft ist das was die größte Masse der Bevölkerung darstellt. Sie setzt sich aus ganz vielen kleineren Gruppe und einer eher "schweigenden Mehrheit" zusammen.
    Zumindest ist dies in Deutschland so, aber wir gehen ja offensichtlich hier von der Gesellschaft in Deutschland aus, oder?

    Ich glaube, "Gesellschaft" ist nur teilweise mit Staatsgrenzen deckungsgleich. Sie ist es insofern, als dass hier bestimmte Gesetze gelten, die, natürlich, die Gesellschaft mit prägen. Aber das ist nur ein Teil dessen, was Gesellschaft ausmacht.

    Ich glaube nach wie vor nicht, dass man mit Recht davon sprechen kann, wie es in "der Gesellschaft" zugeht. So homogen ist die nicht, und so viel Überblick hat kaum einer. Cailly, weißt Du, wie es in den Teilen unserer Gesellschaft aussieht, die sich um demenzkranke Angehörige kümmern und welche Sorgen und Anliegen diese Menschen haben? Ja? Fein. Und weißt Du auch, wie es in den Teilen der Gesellschaft zugeht, die über mehrere Millionen Euro verfügen können? Was es da für Regeln und Normen gibt? Auch? Weißt Du, welche Normen und Regeln es in den Teilen unserer Gesellschaft gibt, die Migrationshintergrund haben? All diese Gruppen gehören zu unserer Gesellschaft. Und Du willst wissen, was die alle miteinander denken? Über die zehn Tage Sonderurlaub für pflegende ANgehörige? Über die EU-Mitgliedschaft der Türkei? Über Dicke? Finde ich ziemlich unbescheiden.

    Zitat

    Es sind nicht nur "Herbalifevertreter" die "dicken Menschen" das Leben schwer machen (wollen), "dicke" sind hier zu der einzigen Gruppe geworden die "gesamt Gesellschaftlich gesehen" Diskreminiert werden dürfen, über sie darf "gelästert & gelacht" werden ohne das es wie bei anderen "Gruppen" zu Gegenrede kommt.

    Es gibt wahrlich genügend Menschen in dieser Gesellschaft, die es nicht in Ordnung finden, wenn über irgendwen gelästert und gelacht wird, wenn Menschen diskriminiert werden und herabgesetzt werden. Weiterhin gibt es gesellschaftliche STimmen, die dem "Dicke sind selbst schuld!" entgegentreten. Eine davon gehört zum Beispiel Herrn Pollmer. Und es gibt auch genügend Menschen, die in der Lage sind, das Thema "Übergewicht differenzierter zu betrachten als ein Herbalife-Vertreter.

    Was Du da beschreibst, kommt mir vor wie ein "Alle sind gegen mich!" Sind sie nicht. Woher auch immer dieses Gefühl rühren mag: Nicht alle hassen und diskriminieren Dicke. Manche tun das, andere finden das unmöglich, anderen sind die Dicken schlicht egal. Ich denke, davon kannst Du getrost ausgehen.

    Zitat

    3. Es gibt verschiedene Möglichkeiten damit um zu gehen:
    Man sucht sich eine kleinere Gruppe (persönliches Umfeld) das diese Haltung ablehnt.
    Man geht offensiver damit um

    Cailly, mir ist bewusst, dass ich mit meinem Umfeld Glück habe. Trotzdem lasse ich mich nicht zur Defensive degradieren.

    Zitat

    und lässt sowas nicht mehr an sich ran.
    Man lebt damit ohne wirklich damit umgehen zu können und leidet schweigend.

    ...wobei mir das hier nicht gerade als "offensive" ARt des Umgangs ersc heint. Offensiv wäre, den Diskriminierenden entgegenzutreten und ihnen zu sagen, dass sie Unrecht haben. Denn ob Du's glaubst oder nicht: Auch Du gehörst zur Gesellschaft. Und kannst sie verändern.

  • Moin Hermine,

    ich glaub das wird eine interessante Diskussion ;)

    Zu der Frage : was die Gesellschaft denkt - nein ich bin sicher nicht so größenwahnsinnig zu behaupten die Gedanken der Gesellschaft zu allen oder auch nur mehreren differenzierteren Themen(bereichen) zu kennen. Aber ich habe aus eigener Erfahrung einiges erlebt und kann in Bezug auf 2 Bereiche einiges dazu sagen. Diese Bereiche sind zum einen "Übergewichtige/dicke Menschen" und zum anderen "Hartz IV Empfänger". Beide Bereiche betreffen mich persönlich sehr direkt und umfassend - dank dessen was in der Gesellschaft in der ich nunmal leben muss darüber Gedacht, Gesagt und wie mit Betroffenen umgegangen wird.

    Zu dem Thema: auf den "nicht Selbstbewussten darf rumgetrampelt werden" - Nein natürlich wird das "so" niergends gesagt - aber und hier spielt wieder meine Erfahrung mit:
    Es wird gesagt, wenn man kein Selbstbewusstsein, kein Selbstwertgefühl hat dann muss man sich gefälligst welches anschaffen/erarbeiten - warum? Warum dieses "Du musst"???

    Was Punkt 3 betrifft, ich denke da hab ich mich sehr unglücklich ausgedrückt. Ich meinte es eigentlich so das dieses "offensiv" eher in die Richtung: Mir ist egal was andere sagen! geht.

    Zitat

    Denn ob Du's glaubst oder nicht: Auch Du gehörst zur Gesellschaft. Und kannst sie verändern.


    Sorry, aber ich glaube nicht, das ich auch nur Ansatzweise so viel "Macht" habe, wirklich etwas an unserer Gesellschaft zu verändern, ich wüßte auch absolut nicht "wie" ich das Bewerkstelligen sollte. Hast Du da vielleicht Vorschläge?

    Liebe Grüße,
    Cailly

    *Verletzungen der Seele heilen nur langsam und nicht von allein*

  • Zitat von lulu21


    Als ich noch 100 Kilo gewogen habe, musste ich mir so einiges anhören. Von Kleinkindern wurde ich als Elefant beschimpft, die Männer achteten mich mit keinem Blick, und wenn, dann mit einem Blick, der angeekelt ausgesehen hat. Man wird unsicher. Man hat keine Lust raus zu gehen. Man hat sich nicht getraut, aus seiner Haut zu kommen, nicht getraut, zu sagen was man gedacht hat. Man hat sich nicht getraut sich neue Klammotten zu kaufen, es war mir peinlich meine Konfektionsgröße zu sagen, es war mir so einiges unangenehm. Dann immer die verkäuferinnen an den Kassen, in größe 36, mit schicken klammotten und total gestylt, während du dir das Zelt kaufst.

    Ähm ... ich wiege auch um die 100 kg (mal mehr, mal weniger) und das schon seit meiner Teenagerzeit.

    Aber solche Sachen wie Du oben schreibst, sind mir in meinem ganzen Leben noch nicht passiert ...

    Wobei mein Selbstbewusstsein aber keineswegs zu 100% ausgeprägt ist.

    Wo/wie lebst Du :confused:

  • Zitat von Cailly

    Aber ich habe aus eigener Erfahrung einiges erlebt und kann in Bezug auf 2 Bereiche einiges dazu sagen. Diese Bereiche sind zum einen "Übergewichtige/dicke Menschen" und zum anderen "Hartz IV Empfänger". Beide Bereiche betreffen mich persönlich sehr direkt und umfassend

    Ich würde mal behaupten wollen, dass Du diese sehr direkten und Dich persönlich betreffenden Erfahrungen... in Deinem unmittelbaren Lebensumfeld gemacht hast. Den Wert Deiner persönlichen Erfahrungen will ich Dir nun wahrlich nicht absprechen - nur die Gültigkeit des Rückschlusses auf "die Gesellschaft".

    SChau mal, ich habe unlängst die Erfahrung gemacht, dass in der Schule meines Sohnes Gesundheitserziehung gemacht werden sollte und ich den Thesen dieser gesunden Lebensführung nicht recht vertraute. Du erinnerst Dich vielleicht. Aber ich kann aufgrund dieser einen begrenzten, beschränkten Erfahrung nicht sagen: "In unserer Gesellschaft sollen sogar schon die Grundschüler auf Essstörung getrimmt werden." Denn 10 Kilometer weiter gibt es eine andere Grundschule mit einem anderen DIrektor und anderen Auffassungen über Gesundheitserziehung.

    Zitat

    Es wird gesagt, wenn man kein Selbstbewusstsein, kein Selbstwertgefühl hat dann muss man sich gefälligst welches anschaffen/erarbeiten - warum? Warum dieses "Du musst"???

    Wie gesagt: Niemand muss. Ich halte es für denjenigen Weg, ohne weitere größere Blessuren durchs Leben zu kommen. Und ja: Ich finde, wer kein Selbstbewusstsein hat, sollte (nicht: muss) versuchen, daran zu arbeiten. Es kann nicht gut sein, sich selbst zu verachten, abzulehnen und herabzusetzen. Muss ich das einer Moderatorin dieses Forums hier wirklich noch näher erklären? Setzt Du Dich denn, als Moderatorin dieses Forums, nichts selbst dafür ein, dicken Menschen zu mehr Selbstbewusstsein zu verhelfen? Ja? Warum tust Du das? Doch wahrscheinlich, weil DU findest, dass es erstrebenswert ist, mit sich selbst ins Reine zu kommen, oder?

    Zitat

    Sorry, aber ich glaube nicht, das ich auch nur Ansatzweise so viel "Macht" habe, wirklich etwas an unserer Gesellschaft zu verändern, ich wüßte auch absolut nicht "wie" ich das Bewerkstelligen sollte. Hast Du da vielleicht Vorschläge?

    Siehst Du Deine Arbeit hier denn nicht als gesellschaftliches Engagement? Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe sind unter anderem: Seine Meinung zu sagen. In einem Leserbrief. In einem Brief an den Bundestagsabgeordneten Deines Wahlkreises. Oder in einem Brief an die Landesrundfunkanstalt, wenn Du das Gefühl hast, dass Dicke in einer nicht vertretbaren Art und Weise dargestellt werden. Du kannst in einer politischen Partei mitarbeiten. Oder in einem Verband, einer Interessensgemeinschaft. Du kannst ein Bürgerbegehren unterstützen oder selbst auf die Beine bringen. Oder von mir aus in einem Internetforum mitarbeiten. Der Möglichkeiten gibt es viele.

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